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Akademiker gefragt! PDF Drucken E-Mail

Studie: Künftig mehr Akademiker, weniger Hilfsarbeiter gefragt

Forschungsrats-Studie ortet "stärkere Nachfrage nach Innovationen und wissensbasierten Leistungen", aber hohe Hürden auf dem Weg zu mehr Akademikern

Wien - Am Arbeitsmarkt sind immer mehr Akademiker und weniger Hilfsarbeiter gefragt. Das zeigt die vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung in Auftrag gegebene Studie "Humanressourcen in Österreich", die am Montag veröffentlicht wurde. Waren 2004 in Österreich noch mehr Hilfsarbeiter (331.000 mit maximal Pflichtschule) als Akademiker (285.000) beschäftigt, werde sich diese Situation in den kommenden Jahren signifikant ändern.

 

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Während die prognostizierte jährliche Wachstumsrate bei Hilfsarbeitern plus 0,6 Prozent beträgt, liegt sie bei Akademikern bei plus 2,3 Prozent. Eine "stärkere Nachfrage nach Innovationen und wissensbasierten Leistungen" lässt die Nachfrage nach höherqualifiziertem Personal wachsen. "Der technisch-naturwissenschaftliche Bereich wird mit einem erwarteten jährlichen Wachstum von 2,3 Prozent besonders in den Vordergrund gerückt", schreibt Autorin Marita Haas vom Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien.

 

Mit einem absoluten Wachstum von 42.100 Personen zwischen 2004 und 2010 entfällt auf akademische Berufe ein Viertel des gesamten prognostizierten Beschäftigungsanstiegs von knapp 170.000 Personen. "Es ist ein anhaltender Tertiärisierungsprozess der Beschäftigung festzustellen, während im primären und sekundären Sektor Beschäftigungsverluste prognostiziert werden", heißt es in der Studie, in der zahlreiche Datenquellen und Statistiken der vergangenen Jahre zusammengefasst wurden.

Hohe Drop-out-Quote

Neben Naturwissenschaftlern und Informatikern sei auch die Gruppe der Berufe im Gesundheitsbereich von den Wachstumseffekten besonders betroffen. So beträgt das prognostizierte jährliche Wachstum von Datenverarbeitungsfachkräften 4,9 Prozent, von Physikern, Chemikern, Mathematikern, etc. 4,7 Prozent und von Sozialpflegerischen Berufen 4,5 Prozent.

In Österreich beginnen rund 37 Prozent der Bevölkerung ein Hochschulstudium, was im OECD-Vergleich (54 Prozent) gering ist. "Hinzu kommt, dass eine hohe Drop-out-Quote zur tatsächlichen Akademikerquote von 19,6 Prozent führt", was weit unter dem OECD-Durchschnitt liege und nicht einmal 50 Prozent der Akademikerquote in den Vorreiterländern (wie Australien mit 46,4 Prozent oder Finnland mit 47,8 Prozent) erreiche, heißt es in der Studie.

Viele Hindernisse auf dem Weg zu mehr Akademikern

Die Hürden auf dem Weg zu mehr Akademikern in Österreich seien vielfältig, so die Studie weiter. So werde die Entwicklung nachhaltig vor allem durch ein segmentiertes und selektives Ausbildungssystem, das "Fehlen wissenschaftlicher Karriereoptionen" und einer "fehlenden Positionierung Österreichs als Hightech-Land" beeinflusst.

Als "Kern des Problems" identifiziert Studienautorin Haas die geringe Maturanten- und Akademikerquote in Österreich. Derzeit maturieren rund 40 Prozent eines Altersjahrgangs, eine Quote, die laut Prognosen bis 2025 auf 47 Prozent steigen soll. Damit würde bei gleichbleibenden Präferenzen der Schüler und gleichen akademischen und ausbildungstechnischen Strukturen die Akademikerquote von derzeit 19,6 auf 22,1 Prozent marginal steigen. Das ist nur halb so viel wie in anderen Ländern.

Abwanderung droht

Weitere Probleme seien die "Unattraktivität der Universitätskarrieren", die "Selektivität des Bildungssystems" und "mangelnde Durchlässigkeit der Schulsysteme". Sowohl im sekundären wie auch im tertiären Bereich gebe es eine eindeutige "soziale Selektion, die Schüler und Studenten aus bildungsfernen Schichten und/oder mit Migrationshintergrund diskriminiert". Aufgrund der derzeitigen Einschränkungen der Entwicklungsmöglichkeiten an den Unis drohe die Abwanderung der Forscher in nicht-wissenschaftliche Bereiche oder ins Ausland.

"Strukturelle Probleme innerhalb des wissenschaftlichen Betriebs" wie auch die Rahmenbedingungen für Beruf und Karriere - Stichwort: traditionelle Rollenbilder - halten nach wie vor viele Frauen von der wissenschaftliche Laufbahn ab. Eine Karriere an einer Uni erfordert "kontinuierliche, durchgängige Forschungsarbeit". Vor allem die Publikationstätigkeit sei für ein Vorankommen ausschlaggebend. "Während es für Männer sehr wohl möglich ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, ist dies für Frauen nur unter den schwierigsten Voraussetzungen durchführbar", so Haas.

Migration: "Keine durchgängige Strategie"

Bei der Migration zeige sich, "dass der Wunsch nach Hochqualifizierten derzeit weder durch den Bereich der vorangegangenen, noch durch den Bereich der zukünftigen Migrationsbewegungen erfüllt werden kann", so die Autorin. Probleme stellten sich hier u.a. durch das niedrige Bildungsniveau von Migranten, sprachliche Barrieren, "keine Brain-Gain-Strategie" sowie ein "mangelndes Bewusstsein für das Potenzial ausländischer Arbeitskräfte". Bisher fehlt eine "durchgängige Strategie", um Höherqualifizierte nach Österreich zu holen.

In Österreich ortet die Studie ein "mangelhaftes gesellschaftspolitisches Bewusstsein für die Problematik der zunehmend wissensbasierten Volkswirtschaft", schreibt Haas. Ein Akademikermangel werde kaum wahrgenommen. Auch wenn erste Initiativen (Forschung macht Schule, Kinder-Unis, etc.) existieren, um Bewusstsein zu schaffen: "Dennoch gibt es derzeit kein durchgängiges System, um technisch-naturwissenschaftliche Berufe oder den Beruf der Wissenschaft zu propagieren." (APA)

Quelle: derstandard.at 14. April 2008

 

 

 
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Akademische Berufe und Tätigkeiten auf Maturaniveau gewinnen weiter stark an Bedeutung, niedrig qualifizierte Tätigkeiten gehören künftig zu den Verlierern...

(Auszug aus: STANDARD, 16.08.2006)

 

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